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15.06.2016
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Man muss kein Gegner des technologischen Fortschritts per se sein, um festzustellen, dass es in den vergangenen Jahren einige Hypes gab, die hohe Kosten, aber kaum Mehrwert erbracht haben. Oftmals bekämpfen in diesem Kontext neue Heilmittel die Symptome anstatt der Ursache. Wenn Sie einen möglichen Handlungsbedarf in Sachen Industrie 4.0 für Ihr Unternehmen identifizieren wollen, müssen Sie deshalb drei Dinge tun:
Man muss kein Gegner des technologischen Fortschritts per se sein, um festzustellen, dass es in den vergangenen Jahren einige Hypes gab, die hohe Kosten, aber kaum Mehrwert erbracht haben. Oftmals bekämpfen in diesem Kontext neue Heilmittel die Symptome anstatt der Ursache. Wenn Sie einen möglichen Handlungsbedarf in Sachen Industrie 4.0 für Ihr Unternehmen identifizieren wollen, müssen Sie deshalb drei Dinge tun:
Man muss kein Gegner des technologischen Fortschritts per se sein, um festzustellen, dass es in den vergangenen Jahren einige Hypes gab, die hohe Kosten, aber kaum Mehrwert erbracht haben. Oftmals bekämpfen in diesem Kontext neue Heilmittel die Symptome anstatt der Ursache. Wenn Sie einen möglichen Handlungsbedarf in Sachen Industrie 4.0 für Ihr Unternehmen identifizieren wollen, müssen Sie deshalb drei Dinge tun:
Wie etwa das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Thema Industrie 4.0 promotet, ist meiner Meinung nach schon faszinierend. Sehen Sie hierzu exemplarisch die "Bundestagsrede zu Industrie 4.0 und Smart Services" von Bundesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka. Für alle, die nicht zehn Minuten ihres Lebens investieren wollen, sich diese Rede anzuhören, hier das komprimierte Fazit:
Meiner Meinung nach sollte dabei die entscheidende Frage lauten: Welchen Mehrwert soll diese 4. Industrielle Revolution bringen? Um diese grundlegende Frage zu beantworten, muss man zunächst eine andere stellen. Nämlich: Welches Problem soll Industrie 4.0 eigentlich lösen?
Die Antwort erschließt sich in logischen Schritten:
Über BDE (Betriebsdatenerfassung) sind Unternehmen schon seit vielen Jahren mit ihren Maschinen z.B. direkt an den ERP-Systemen angeschlossen, und können so bspw. Prozesszeiten, -Parameter oder Störungen ermitteln. Maschinen haben die Möglichkeit, Störungen an die Hersteller zu melden, und können remote instandgesetzt werden. Auftragsdaten und Belege sind mittels EDI (electronic data interchange) in Echtzeit mit Kunden und Lieferanten austauschbar. All das ist seit langem ohne große Investitionen möglich.
Brauchen wir wirklich mehr Technologie und Komplexität, oder nutzen wir einfach zu wenig vom bereits Vorhandenen?
Die oftmals dargestellte Vision der Industrie-4.0-Befürworter zeigt hingegen einen komplett vernetzten Betrieb, an dem Lieferanten und Kunden die Prozesse sowie die aktuellen Produktionsstände einsehen können. Doch löst das wirklich unsere Probleme? Oder schafft es nicht vielmehr neue?
Prof. Günther Schuh von der RWTH Aachen brachte nach Meinung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften e.V. "die Hoffnung der Ingenieure in Sachen Industrie 4.0 auf den Punkt", als er Ende 2014 in einem Workshop sinngemäß sagte: "Bislang weiß etwa ein Autohersteller nicht, ob die vom Zulieferer bestellten Teile auch tatsächlich pünktlich eintreffen. Der Grund: Der Zulieferer kann das selbst nicht zuverlässig bestimmen. Mit einer ständig durchanalysierten Linie (..). dürfte das der Vergangenheit angehören."
Ist das praxisbezogen? Eher nicht. Natürlich kann ein Lieferant auch mal in Lieferrückstand geraten. Doch gerade in der Automobilindustrie ist heute eine Liefertreue über 98% keine Seltenheit. Selbst ohne neue, größere Probleme aus der Welt der High-Tech, stünde der enorme Aufwand für die restlichen – ohnehin unerreichbaren – 2 % nicht in gesunder Relation zum Nutzen!
Wer bereits innerhalb einer Supply-Chain tätig ist und mit Materialbeschaffung und Produktion Erfahrung hat, sollte sich heute schon Gedanken machen, welches Problem er mit dem "Internet der Dinge" lösen möchte. Wir haben mit 5S, Lean, Six Sigma und TPS in der Produktion ausreichend erfolgreiche Methoden, welche viele Probleme lösen können, bei denen Industrie 4.0 als Heilsbringer angepriesen wird.
Mit mehr High-Tech hingegen potenzieren wir die Störanfälligkeit des Gesamtsystems. Mehr IT und Software = mehr Bugs, Updates und Upgrades, sowie steigende Kosten für die IT- und Produktions-Infrastruktur. Der erhoffte Mehrwert (Umsatz- oder Gewinnwachstum) bleibt oftmals trotz vorausgehender Investitions- und Amortisationsplanungen leider aus. Kommt Ihnen dies nicht auch bekannt vor?
Wenn Sie möchten, dass Ihr Unternehmen innerhalb kürzester Zeit echtes Wachstum erlebt, dann sollten Sie sich nicht nur damit beschäftigen, welche Methode und Technologie Sie zum Einsatz bringen wollen, sondern an welchem Prozess des Unternehmens Sie dies tun! Denn eines ist sicher: Mit der Technologie-Gießkanne durch das ganze Unternehmen zu marschieren und die neuen Methoden (konsequent) in allen Unternehmensbereichen zu implementieren ist fatal und wird nicht zum erhofften Erfolg führen. Aber ganz sicher Investitionen mit Folgekosten verursachen!
Gestatten Sie mir eine Frage: Leben wir im High-Tech-Wahn von iPhones, iPads und den darin integrierten AssistentInnen – bei aller Erleichterung, die sie bieten – wirklich unbeschwerter? Natürlich können einzelne Tätigkeiten, wie Internetrecherche, Terminplanungen, Mails lesen, Flug- oder Hotelbuchungen durch Unterstützung der APPs effizienter gestaltet werden. Sind wir aber deshalb ganzheitlich effizienter geworden? Nüchtern betrachtet eher nicht, bedenkt man, dass wir dadurch nicht weniger Stress bzw. nicht viel mehr Zeit zur Verfügung haben.
Zurück zu Unternehmen: Technischer Fortschritt und moderne Systeme sind nur dann eine große Hilfe, wenn sie richtig eingesetzt werden. Deshalb gilt es, das Bewusstsein zu schärfen, um den tatsächlichen Nutzen kritisch zu hinterfragen:
Weitere Anregungen zur Schaffung von Mehrwert finden Sie in folgendem Video zur Impulsrede für das "Management Innovation Camp 2016" in Essen (29.01.2016):
15.06.2016
Martin Kritzenberger
19.04.2016